MODERNE RUINEN: Kolmanskoppe - Diamantrausch in der Wüste

Dokumentation von Reinhild Dettmer-Finke, 2012, Folge eine 5-teiligen Reihe für ZDF/Arte, 45 Min./52 Min., Gebrüder Beetz Filmproduktion, Berlin

Eine 5-teilige Serie über die verfallenen Denkmäler der Moderne, die von Aufstieg und Fall, wirtschaftlicher Blüte, geplatzten Träumen und Utopien, von Strukturwandel und politischen Veränderungen im 20. Jahrhundert erzählen und zeigen, wie sich die Natur unbeeindruckt und stoisch den verlorenen Lebensraum zurück erobert.

 

1. Kolmanskuppe – Diamanten-Geisterstadt in Namibia

Diamanten haben die urdeutsche Kleinstadt Kolmanskuppe im heutigen Namibia zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur reichsten Stadt Afrikas gemacht. Die Pioniere und Diamantenjäger sind längst verschwunden und die ehemalige Boomtown ist zur Geisterstadt geworden. Langsam kehrt die Wüste und mit ihr die faszinierte Pflanzen- und Tierwelt der Sukkulenten Karoo, der artenreichsten Wüste der Welt, zurück. Die pittoresken Häuser verschwinden im Sand, langsam löscht die Natur die Spuren der Zivilisation und lockt gleichzeitig neue Abenteurer an: Fotografen, findige Reiseanbieter, Touristen.

Wilhelminischer Prunk inmitten der kargen Wüsten- landschaft Namibias. Vor hundert Jahren „erblühte“ in Südwestafrika die unfruchtbare Wüste. Tausende von Diamanten wurden aus dem Wüstensand gesiebt und versetzten das ganze Land in einen Diamantenrausch. Deutsche Ingenieure, Architekten, Chemiker und Handwerker strömten mit ihren Familien in die damalige Kolonie. Über Nacht entstand eine florierende Stadt mitten in der Wüste. Nach Kolmanskuppe wurde alles importiert. Holzbalken aus Deutschland, Fußböden aus Amerika, Wasser aus Kapstadt.

Heute bedecken Wanderdünen die Bahnschienen und dringen in die leerstehenden Kolonialvillen ein. Nach nur wenigen Jahrzehnten „Diamantenrausch“ zog die Edelsteinkarawane weiter. Die Infrastruktur verfiel. 1952 wurde als letztes das Krankenhaus geräumt.

Zurück bleibt eine 300 km lange und 100 km breite Sperrzone in der namibischen Wüste, die 2008 zum Nationalpark erklärt wurde. Und die stummen Zeitzeugen einer längst vergangenen Ära, die von Abenteuerlust, aber auch der diskriminierenden Kolonialpolitik Deutschlands erzählen.